!

The jelli life

September 27, 2005

Stell dir vor

Filed under: TagundNacht

du hast nichts an und alle schauen auf dich. Das soll ja angeblich gegen alle Arten von Pruefungsangst helfen. Tut es nicht, aber witzig ist es. Lustigerweise hatte ich gerade diesen Monat das Angebot zum Aktstehen vor einer ganz netten Mal-Lerngruppe. Heute war ich wieder da, obwohl ich dort letzte Woche fast erfroren waere. Da es so ungemein interessant ist ZweiUndEineHalbe Stunde nur dazustehen, sich nicht zu bewegen, nichts zu lernen und trotzdem etwas mehr oder weniger sinnvolles (Geld verdienen - ueber den Sinn muss man sich streiten, aber die Chancen ohne gut zu ueberleben stehen nicht so gut) zu tun, dachte ich, dass ich euch liebe Freunde daran teilhaben lassen muss. Erst hatte ich eine Erkenntnis. Ja einfach so, nach einem ca 10 Minuten anhaltenden voelligem Phlegmatismus kam sie ploetzlich, nachdem sie mich eine Woche lang auf sich hat warten lassen. Der Rest war aber eher entspannt. Ich stand so eine halbe Stunde sehr gluecklich mit der Erkenntnis da rum und habe danach wieder angefangen so ueber dies und das rumzuspinnen. Mir ist dabei etwas witziges aufgefallen: nackt werde ich irgendwie immer idealisierter wahrgenommen als ich bin. So habe ich zum Beispiel sehr selten auf Bildern diese lustigen kleinen Roellchen, die sich auf meinem Bauch bilden wenn ich sitze, wiedergefunden (Und dabei esse ich meistens extra viel vorher). Ausserden bin ich irgendwie meistens an den falschen Stellen zu rund. Ich erwarte ja nicht, dass alle Menschen im originalgetreuen Abbilden ihr groesstes Vergnuegen sehen, aber dass sie alle so aehnliche “Verschoenerungen” vornehmen gibt mir schon zu denken, was die Welt von einem Menschen so erwartet. Na zum Glueck habe ich wenigstens diesbezueglich ein absolut solides Selbstbewusstsein und finde mich mit Roellchen viel toller als ohne. Desweiteren stelle ich fest, dass alle Maenner sehr viel schneller und abstrakter zeichnen als die Frauen, und viel lauter und selbstbewusster auftreten. Und weil ich gar keine Freundin dieser Bioerklaerungen bin, muss da irgendwas waehrend des Sozialisierungsprozesses passieren. Unser Verhaeltnis zu Nacktheit und Kunst muss durch Erziehung sehr dramatisch determiniert sein. Wie ich zeichnen wuerde? Schon aus Protest wild, laut, schnaufend und grotesk - aber ich beobachte wohl besser und lieber.

4 Comments »

If this is your first comment here I have to check and approve it because of some spam problems. So sorry if it is not displayed immediately but later.

The URI to TrackBack this entry is: http://jelena.blogsome.com/2005/09/27/stell-dir-vor/trackback/

  1. ja, ist schon ein interessanter job. abschalten, zeit verziehen lassen und die moeglichkeit, zu beobachten, was einzelne muskeln tun, wenn sie nicht bewegt werden. wie sie sich langsam verkrampfen und wie es moeglich ist, diesem entgegenzuwirken, mit minimalen bewegungen, die fuer die betrachtenden kaum sichtbar sind.
    und noch etwas ist interessant. die in vergleich zu den meisten jobs ganz akzeptable bezahlung liegt ja wohl daran, fuer das ueberschreiten von schamgrenzen entschaedigt zu werden. dies ist jedoch etwas, womit ich mich allerdings jeweils kaum mehr als eine halbe minute beschaeftigt habe. dann bleibt raum, an alles oder nichts zu denken.

    Comment by sakızağacı — September 28, 2005 @ 12:45 pm

  2. Ich glaube es ueberschreitet meine Schamgrenze weit mehr mich beim Kellnern zum Hungerlohn daemlich angrubbern zu lassen, als vor ein paar Leuten rumzustehen, die mich ansehen als waere ich ein Blumentopf, den es abzubilden gilt. Mit der Muskelsache hast du recht, sogar im grossen Zeh befindet sich einer der verkrampfen kann ;-)

    Comment by jelena — September 29, 2005 @ 7:37 am

  3. ja, kellnern ist ja nun auch wirklich keine alternative. aber blumentopf zu sein ist auf die dauer auch seltsam. es gibt kurse, die sind nicht faehig auch nur ein wort mit dir zu sprechen, solange du nichts anhast.

    Comment by sakızağacı — September 30, 2005 @ 12:38 pm

  4. Ehm, mit Verlaub, ich glaube das mit den idealisierten, bzw. “genormten” Bildern hat etwas mit Sehgewohnheiten und Bilder-Geschlechts-Stereotypen zu tun. Das heißt, ich denke: Sie wollen Dich runder sehen, weil alles andere sie irgendwie durcheinander bringen würde. Ist nur so eine These…

    Ansonsten: Netter Blog…

    Comment by sammelsurium — October 3, 2005 @ 11:30 am

RSS feed for comments on this post.

Leave a comment

Line and paragraph breaks automatic, e-mail address never displayed, HTML allowed: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <code> <em> <i> <strike> <strong>