Beerdigung
Als ich zu Hause eintraf war das Loch bereits gegraben. Kotschka ruht also jetzt unter der Wiese in unserem Hof. Wir haben inzwischen alle lustigen Geschichten ueber sie ausgetauscht, viele makabere Witze gemacht und unsere Traurigkeit geteilt. Natuerlich mussten wir auch diskutieren wieviel Trauer um so eine Katze angemessen ist. Da ein Grossteil der Leute sich eine sentimentale Beerdigung gewuenscht hat, und auch einige ehemalige Mitbewohner sich diesem Ereignis anschliesen wollten, haben wir das also dann auch so gemacht. B war in den letzten Monaten auf 2 Beerdigungen und konnte uns ein wenig in die Konventionen einweisen. So haben wir alle eine Blume geworfen, eine Schaufel Erde gekippt, dramatische Gesichter gemacht und Kotsche verabschiedet. Eine Rede gab es nicht. Dafuer ein grosses Festessen. B hatte einen, im doppelten Sinne des Wortes, unheimlich suessen Katzenkopfkuchen gebacken, und es gab es Eis, Quark- und Schokokuchen mit Streusseln. Zum Essen war dann auch M gluecklicherweise mit anwesend. Er war die einzige Gegenstimme beim Thema feierliche Beerdigung. Wie es sich fuer ein demokratisches Hausprojekt gehoert, hatte er deshalb auch eine Beerdigungsprotestaktion vorbereitet. Es wurden Flyer mit durchgestrichenen Kreuzen geworfen und ein Spruch aus dem Fenster gehaengt. Leider hatte ich meine Brille vergessen, deshalb weiss ich auch nicht genau was darauf stand. Auf jeden Fall ging es gegen Totenkult und so. Alles in allem war es also ein sehr schoener und persoenlicher Abschied.
Zum Thema Pietaet und Tod wollte ich euch auch noch einige Episoden der vergangenen Tage erzaehlen.
Episode 1: Gestern Nachmittag haben N und ich die Katze beim Tierazt abgeholt. Das musste zwischen 16.00 und 19.00 Uhr gemacht werden. Leider hatte ich von 16.40 bis 18.10 Vorlesung. Deshalb sind wir so gefahren, dass wir um 16.00 Kotschka eingesammelt, dann an der Uni gehalten und eine Vorlesung mitgemacht haben um anschliessend nach Hause zu fahren. Vorher hat N laut ueberlegt ob es denn ok ist die Kotsche so lange im Auto stehen zu lassen. Ganz die pragmatische Jelli sage ich daraufhin: Klar sie wird’s schon ueberleben. Oups..
Episode 2: Beim Tierazt mussten wir erst mal eine Weile anstehen. Dann hatten wir Kotschi in einem Korb, sehr huebsch mit einem Leichenzellstoff bedeckt neben uns und warten auf die abschliessenden Formalitaeten. So ein Ableben beim Tierarzt ist nicht nur teuer und tragisch, sondern auch mit einigen Formalitaeten verbunden. N und ich stehen also da und machen betretene Gesichter. Eine Frau, die neben uns sass, fragte ploetzlich, auf unseren Korb zeigend, was wir denn da drin haetten. Sie machte dazu dieses Gesicht, dass Leute machen die in Kinderwagen zeigen und fragen “Wen haben wir denn da?” und so aehnlich hat sie es wohl auch gemeint. Ich hatte ploetzlich eine gemeine Idee und musste etwas kichern. Schnell verzog ich meine Mundwinkel nach unten und machte ein trauriges Gesicht dazu. Nach einer kleinen und geschickten dramatischen Pause antwortete ich knapp immer noch und stockend: “t o t e Katze”. Da waere sie fast vom Stuhl gefallen. Das war wirklich fies.
Na ja, gut das man auch ein bisschen Humor dabei findet. Leider habe ich heute Nacht von der Kotsche getraeumt, sie hat mich aus dem Korb angeschaut in den wir sie hineingegossen haben, als ihr Koerper noch ganz weich war. Aber sie sah nicht boese aus, sondern hat einfach nur geschaut.