Kitsch und so
Gestern haben wir einen Ausflug auf die Prinzeninseln, die auf englisch komischerweise Princess Islands und auf tuerkisch einfach nur Adalar (Inseln) heißen, gemacht. Auf der Faehre ging die Sonne unter, alles rot und so, und im Hintergrund sprangen ein paar Delfine durch den Bosporus. Sie waren viel dunkler als ich sie mir vorgestellt haette und sind auch nicht so hoch gesprungen. Aber es waren echte Delfine, die einfach auf ihrem Weg von A nach B durch den Bosporus geschwommen sind. Eigentlich war die ganze Stimmung so, als haette sie jemand aus einem Kitschposter geklaut.
Oh und ich habe mich gefreut wie eine Schneekoenigin.
Die Inseln sind witzig. Im Sommer sind sie ein beliebtes Ausflugsziel mit Sommerhaeuschen und Kaffees, waehrend sie im Winter eigentlich ziemlich leer sind. Gestern waren wir auf Büyük Ada, der letzten der 4 Inseln. Die ist nicht so ausgestorben im Winter, im Gegenteil, es sieht dort eher aus wie in einer tuerkischen Kleinstadt. Es wirkt sehr ruhig und sehr religioes. Man wird schon beim Ankommen von der oertlichen Zentrale von Ak Parti begrueßt, was die gerade regierenden gemaeßigten Islamisten sind. Dann findet sich dort noch ein Stuetzpunkt von Saadet Partisi (radikal islamistische Partei) und einer von Doğru Yol Partisi (Partei des rechten Weges). Trotzedem ist Büyük Ada fuer einen Tag recht nett. Alle fahren Fahrrad, weil eigentlich Autos verboten sind. Eigentlich, weil Staatsangestellte , Polizei und Feuerwehr doch Auto fahren duerfen. Touristen werden versucht auf eine der zahlreichen Pferdekutschen zu bringen oder in eines der gleich aussehnenden Zeltrestaurants zu manoevrieren. Wenn man aber die Kueste rund um die Anlegestelle der Faehre hinter sich hat ist es wie schon gesagt eine nette kleine tuerkische Kleinstadt mit viel zu vielen Maennern im Stadtbild.
Danach waren wir froh wieder da zu sein, wo alle sehr viel hektischer sind und wo gestern die anscheinend eher sozialistische Partei ÖDP den Stadteil mit Plakaten zum Protest am Mord an Hrant Dink zugeklebt hat.