sakızağacı hatte es ja schon angekuendigt und gestern war es dann so weit: Visumsausflug nach Bulgarien. Als mein Wecker Freitag morgen wie immer viel zu frueh klingelte, konnte ich es mir gar nicht richtig vorstellen. Ich musste ja auch erst mal einen Tag konzentriert an der Uni rocken, meine Uebungen halten und den Straßenverkehr in dieser Megametropole ertragen. Kurz vor 5 kam ich dann voellig verhungert zu Hause an und nach einem tollen Essen haben wir uns dann auf den Weg nach Bulgaristan gemacht.
Der fing dann erst mal mit dem Verlassen dieser Stadt und einer weiteren Runde Istanbul trafik an. Das bedeutet 2 Stunden mehr stehend als sitzend stop and go durch die Stadt geruettelt zu werden. Irgendwann waren wir dann aber endlich in İkitelli, dem Stadtteil mit der Mautstation in Richtung Edirne. Wir haben uns dann auf den Weg von der Busstation zur Mautstelle gemacht und schon auf dem Weg hielt ein LKW auf dem Randstreifen der Autobahn an. Der hat uns dann mit Tempo 40 bis 60 ein paar Kilometer mitgenommen und an einem dieser hier typischen kleinen Truckstops an der Autobahn rausgelassen. Dort wurde uns auch gleich Hilfe angeboten und wir waren bald Gespraechsthema Nummer 1 im Lokanta. Wir waren dann auch recht schnell mit Tee und Kaffee abgefuellt und an einen netten Fahrer vermittelt, der erst nicht recht wollte, uns dann aber doch schnell mochte. Er hat uns bis zum LKW-Stau vor der Grenze mitgenommen. Dazu muss man sagen, dass tuerkische LKW-Fahrer sehr viel interessanter sind als europaeische. Wenn man als tuerkischer Staatsbuerger ein Visum fuer die Europaeische Union haben will, muss man mindestens ein Haus, ein Auto, einen gut bezahlten Job und viele anerkannte soziale Bindungen in der Tuerkei nachweisen koennen. Wenn man das mit dem Fehlen einer breiten sozialen Mittelschicht zusammendenkt faellt schnell auf, dass Visen fuer die EU meist also nur der reichen Oberschicht vorbehalten bleiben. Als Truckerfahrer kommt man aber selten aus ebendieser, hat aber trotzdem die Gelegenheit viel zu reisen. Und genauso sind sie dann meistens unterwegs. Mit offenen Augen, meist bemueht in vielen Sprachen ein bisschen Smalltalk machen zu koennen, einer differenzierten Meinung zu den verschiedenen bereisten Laendern und dem Bewusstsein, eine anerkannte, vielleicht auch beneidete, soziale Position zu haben.
Wer die, neu zur EU-Aussengrenze erhobene, sich ueber viele Kilometer erstreckende Megamonsterniemandslandschaft bei Edirne kennt und sich dazu vorstellt, wie wir nachts bei Wetterleuchten und kaltem Wind ohne Auto durch diese Oednis spazieren, wird sicher schon beim Gedanken daran furchtbar muede werden. Wir haben uns dann auch erst mal einen verlassenen kleinen Laden in Капитан Андреево gesucht und dort die Nacht verbracht. Es war zwar trocken und windstill, aber ich habe trotzdem um 8, sehr zu sakızağacıs Unglueck, Aufbruch angesagt, so gemuetlich fand ich es dort nicht. Es hat ja auch der wie immer alle Versprechen haltende gute bulgarische Kaffee und eine Reise nach Свиленград auf uns gewartet. Das ist eine sehr nette Kleinstadt, die, da sie dann doch die groeßte in einem weiten Umfeld ist, einiges an Infrastruktur zu bieten hat. Man kann dort in vielen kleinen Kaffees rumhaengen, auf der mit Wimpeln geschmueckten Hauptstrasse promenieren, Koefte vom Schwein essen und Wein kaufen, aber auch Huehner, Truthaehne, Esel und Gaense durch die Strassen spazieren sehen.
Mit vielen tollen Schaetzen im Gepaeck haben wir uns dann, nach einer ausfuehrlichen Kleinstadtbesichtigung, auf den Rueckweg gemacht. An der Trampe haben wir dann auch schnell einen Truck gefunden, der uns bis zur Grenze bringt. Wieder in der Tuerkei haben wir dann Levent, auch Truckerfahrer, getroffen, der uns erst mal zum Essen eingeladen und dann mit in Richtung Istanbul mitgenommen hat. Er durfte aber nicht vor 9 ankommen, weil tagsueber das Ueberqueeren der Bosporusbruecken und ueberhaupt das durch die Stadt gurken fuer LKWs verboten ist. Also mussten wir noch zweimal unterwegs anhalten und uns mit noch mehr Tee abfuellen lassen. Unter anderem haben wir an der Truckerraste ca 100 km vor Istanbul, an der wir vor etwa einem Jahr mal haengengeblieben sind gehalten. Das war ein sehr lustiges Wiedersehen, weil ich dort eine merkwuerdige Veraenderung an mir bemerkt habe. Mir ist erst nach dem Verstreichen von ganzen 15 Minuten an den Blicken der um mich herum Sitzenden aufgefallen, dass ich die einzige Frau im Lokanta bin. War ja auch ein Truckstop, aber irgendwie gewoehnt man sich auch daran, also die Stimmung, der Tee und das Essen in diesen Lokalitaeten ist wirklich gut.
Na jedenfalls war es eine sehr aufregende Reise und ich habe viele lustige, witzige und aufregende Geschichten noch nicht erwaehnt, aber bestimmt wird sakızağacı ein paar davon noch erzaehlen.