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The jelli life

May 30, 2007

SßtreTeßrsResßt

Filed under: Life+Style, Jammer

Im Moment bin ich 7 Tage 24 Stunden pro einem davon mit der Organisation des Umzuges beschaeftigt. Sakızağacı hat schon vieles erzaehlt, meine Bloglaune ist in den letzten Tagen ein wenig im Stress untergegangen. Zum Beispiel:

Die Katze muss hierbleiben. Es gibt da eine gewisse EU Verordnung nach der es nur aus bestimmten Laendern unproblematisch ist, sein Haustier mitzunehmen. Die Liste ist zwar lang, aber die Tuerkei steht nicht drauf. Wir haben also die Katze an hoffentlich liebevolle Haende weitervermittelt. Das ist alles noch nicht 100%ig, aber bis Freitag wird es sich (bei der hoffentlich stattfindenden Uebergabe) klaeren. Die Katze hat noch die fuer ein so tolles Exemplar seiner Art sicher nicht schwierige Aufgabe, die gesamte Palette an Schleimereien rauszuholen und sich beliebt zu machen.

Vor ein paar Tagen wurde ich nachts unsanft durch lautes Klopfen und Rumpeln geweckt. Es stellte sich dann heraus, dass die Polizei so gegen 4.00 Uhr in der Nacht irgendwas von unseren Nachbarn wollte. Als der erste Muezzin gerufen hat (Sonnenaufgang), waren sie dann fertig. Mitgenommen wurde, soweit ich das beobachtet habe (Ich habe das genauso wie alle anderen Nachbarn, die bei dem Krach sowieso nicht schlafen konnten, sehr genau verfolgt.) niemand. Am naechsten Morgen klopfte es an der Tuer und ich dachte, dass das sicher der vorher schon mal erwaehnte Nachbarsjunge ist. Der klopft oefter am Tag, mal um zu sagen, dass die Katze draußen ist, mal um zu fragen, ob wir sie rauslassen koennen.
Diesmal war es aber die Polizei. Zuerst standen sie zu zweit vor der Tuer und haben ziemlich rumgepoebelt. Die Drohung, einen Anwalt zu rufen hat sie zwar einigermaßen beeindruckt, sie haben dann nicht versucht, uns (wir standen zu zweit in der Tuer) wegzuschieben und in die Wohnung zu kommen. Sie bestanden allerdings darauf, Paesse zu sehen und als ich losging, um meinen zu holen, flupte der eine von den mittlerweile drei Polizisten in die Wohnung rein. Zum Glueck ist der Flur ziemlich eng und wir standen ihm dann auf je einer Seite im Weg.
Was sollte das Ganze? Das bleibt wohl das Geheimnis der Polizei, wie auch der naechtliche Besuch, bei unseren Nachbarn. Sie haben behauptet, es haette sie jemand angerufen weil es hier Drogen gaebe. Also ich bin ja manchmal blind und so, aber wo in unserer Gegend Drogenhandel stattfindet, sehe ich so gut, wie jeder andere und wie auch die Polizei. In unserem Haus wohnen 2 Familien mit Kleinkinden, die selten Besuch bekommen, ueber 12 Stunden am Tag arbeiten und trotzdem kein Geld haben. Außerdem wuerde jeder von den Leuten hier eher selber kommen und Stunk machen, als die Polizei zu rufen. Die hat im kurdisch gepraegten Mahalle einfach kein gutes Standing als Konfliktloeser.
Es gibt wie immer Geruechte, wie gesagt, die Leute hier sind Kurden, im benachbarten Mahalle wohnen viele Roma und es gibt einen Sanierungsplan, nachdem das Viertel hier fuer andere Zielgruppen erschlossen werden soll. So gibt es hier seit einer Weile viel hellere Straßenbeleuchtung und auch die Muellabfuhr kommt inzwischen mindestens zweimal am Tag. Es soll halt sauberer werden.
Soweit die Geruechtekueche. Was aber wahr ist:

Am Samstag fahre ich in den verdienten Urlaub. Erst in Richtung Dardanellen, dann wohin einen das Trampen in der Tuerkei so treibt. Salzsee, Gebirge, Kaş, Diyarbakır und vielleicht noch einen Abstecher nach Georgien. Abgesehen von kurzen Besuchen in Internetcaffees bin ich dann Anfang oder Mitte Juli wieder an meinem eigenen Rechner zu erreichen.

May 25, 2007

Filed under: Life+Style, Jammer

Die Katze bringt tote Maeuse und tote Salamander an, ok sage ich, das ist eben eine Katze.
Als sie letztens mit 2 anderen Katzen vor der Tuer sass, sag ich auch ok, aber bleibt alle draußen.
Heute kam sie mit 2 Kindern an, die dann ploetzlich neben mir vorm Computer saßen und neugierig viele Fragen, natuerlich in tuerkisch, gestellt haben.
Ich war fix und fertig, die Kinder schon am Schuhe ausziehen und wer hat sich verpisst? Madame Katze..

May 14, 2007

gefunden

Filed under: TagundNacht

Nachdem ich irgendwann aufgehoert habe, mich ueber das unleserliche neue Outfit der Zeit zu wundern habe ich einen sehr schoenen Artikel von Elif Shafak gefunden. Meiner Meinung nach kommt dabei am Ende auch ein wenig ein Punkt heraus, warum die AKP in deutschen Medien gerade so beliebt ist. Immerhin ist sie die einzige große Partei, die sich in dem Maße fuer einen EU-Beitritt stark macht. Diesen Beitrittswillen als Gott oder von wem auch immer gegeben hinzunehmen ist inzwischen in europaeischen Medien selbstverstaendlich geworden und es waere doch bloed, wenn es ploetzlich eine Regierung gaebe, die auch nur sagt: Freunde - lasst uns pragmatisch sein, das ganze EU-Projekt, also vielleicht machen wir lieber erst mal was realistischeres.

May 10, 2007

Urlaub

Filed under: TagundNacht

Ich bin gerade von einem viertaegigen Kurzurlaub in Deutschland endlich ausgeschlafen. Die Katze hat derweil Urlaub bei siyah gemacht

Kedi

und es sich gut gehen lassen. Damit ist dann auch das Versprechen an Nahoi erfuellt, mal wieder ein Bild von Kedi zu zeigen. Die hat sich uebrigens auch in ihrem Urlaub weiterhin mit der Existenz anderer Katzen konfrontiert. Leider hat sie da noch nicht viele Katzenkommunikationsmethoden zur Verfuegung. Mit Geschrei drauf und ziellose Flucht, wenn was schiefgeht. Ganz die verwoehnte, krallengestutzte Hausmietze eben.

Naechste Woche sind die letzten Uebungen fuer dieses Semester an der Uni und allmaehlich beginnt das Leben um mich herum, Aenderungen anzukuendigen. Ach klingt das pathetisch!

May 3, 2007

1.Mai

Filed under: Life+Style

Der erste Mai ist auch in der Tuerkei ein ArbeiterInnendemonstrationstag. Im Jahr 1977 kam es bei einer Demonstration anlaesslich dieses Tages zu mir bisher nicht ganz klaren Vorfaellen. Als gesicherte Information darf einzig betrachtet werden, dass es am Taksim-Platz stattfand und dass ueber 30 Tote die Folge waren. Die meisten Geruechte ranken sich um Heckenschuetzen, die von den Umliegenden Hochhaeusern schossen, es geht auch die Legende, es waere zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demo gekommen, bei denen beiderseitig geschossen wurde. Ich werde auf jeden Fall weiter dazu recherchieren. Seit diesem Tag jedoch sind Demonstrationen auf dem Taksim verboten und die Polizei setzt dieses Verbot auch sehr restriktiv durch. Sie ist 24 Stunden jeden Tag des Jahres dort praesent, um Versammlungen sofort zu bemerken und mit dem dort stationierten Raeumpanzer und der mitgefuehrten Bewaffnung zu unterbinden.
In Anbetracht der Tatsache, dass bis heute nicht offiziell klar ist, was genau vor 30 Jahren am Taksim passiert ist, handelt es sich dabei schon um eine Machtdemonstration die vor allem auch provoziert.
Dieses Jahr haben nun einige Gruppen beschlossen, auch um an die Toten von vor 30 Jahren zu erinnern, genau dort zu demonstrieren. 1. Mai - Ich bin am Taksim lautete die Parole. Der erste Mai wird vor allem von kommunistischen und linken nationalistischen Gruppen begangen und aus diesem breiten Umfeld muss sich also auch die Gruppe derer, die nicht an der zentralen, etablierten Großdemonstration in Kadikoey teilnehmen wollten, rekrutiert haben. Wobei ich auch vereinzelt antinationalistische Positionen gehoert habe, aber nicht weiß, inwieweit es sich dabei um Einzelmeinungen handelt. An den verschiedenen verwendeten Formen der Aussagerelativierung merkt man schon, wie schwierig eine Einschaetzung der politischen Lage mit meinem Beobachtungs- und Wissensstand ist.
Am 1. Mai selber gelang es immer wieder Kleingruppen (von bis zu 3000 Leuten) auf den Platz zu kommen und dort zu demonstrieren. Es war sehr interessant zu beobachten, wie sich scheinbare Passanten, durch ploetzliches gemeinsames Klatschen, als Demonstranten zu erkennen gaben. Die Taktik der Polizei war enorme Praesenz und CS-Gas.

Taksim

Genau das war dann auch in den europaeischen Medien sehr kritisiert worden. Ich kann auch nur bestaetigen, dass dieses Zeug sehr heftig ist, und man durchaus nicht 100% garantieren kann, dass alle ueberleben, wenn man es in eine große Gruppe von Menschen, die sich sehr dicht zwischen 2 Haeuserwaenden draengen, schießt.
Es ist also keine gute Loesung, tamam. Man haette vielleicht versuchen koennen, das Gedenken zu vereinnahmen und eine scheußliche staatliche Veranstaltung mit Polizeiorchester hinzustellen. Aber nehmen wir mal an, man beschließt eine Machtdemonstration und eine Durchsetzung des Veranstaltungsverbotes. Am 1. Mai waren alle Metrolinien gesperrt, die zum Taksim gehen und viele Busse fuhren nicht. Der Stadtverwaltung wird im Nachhinein sehr vorgeworfen, das oeffentliche Leben zum Erliegen gebracht zu haben und es kommen Ruecktrittsforderungen auf. In diese Richtung waere also nicht viel mehr gegangen. Und damit komme ich endlich zu einem der Punkte, die mich seit dem sehr beschaeftigen. In Deutschland ist es so gut wie undenkbar geworden, dass eine Demonstration unkontrolliert und moeglicherweise nur durch Plakate angekuendigt durch die Stadt zieht. Man haette den Tag ueber nicht in Richtung des Platzes laufen koennen, ohne kontrolliert und anhand einer Datenbank klassifiziert zu werden. Es gaebe Platzverweise und ein Computer haette sich all die verwiesenen Personen gemerkt, um sie bei der naechsten Abfrage wieder auszuspucken. Die Polizei haette die meisten “verdaechtigen” Menschen sofort erkannt und unter Beobachtung gestellt. Hier gibt es keine zentrale Datenbank, und Demoteilnehmer, die sich aus allen sozialen Schichten und Altersklassen zusammensetzen, erkennt man erst, wenn sie eben ploetzlich anfangen zu demonstrieren. Das also ist das Szenario aus dem heraus beschlossen wird eine homogene Masse von Polizisten (die im geparkten Zustand tatsaechlich aussiehen wie die aufgestellten Roemergruppen in Asterixfilmen und -Comics) auf eine heterogene Gruppe von Menschen loszuschicken.
Das geschieht dann auch so, dass keine Frage mehr aufkommt, wer sich durchsetzen wird:

Polizei

Davon bekommen auch wirklich alle Menschen in den Wohnungen und auf der Strasse etwas mit ab. Man kann nicht wirklich nicht involviert sein, keine Meinung dazu haben und das Problem von sich weg weisen.
Da ist nun der springende Punkt: So ist es irgendwie auch nicht gut, mehr Sicherheit fuer die Freiheit der Menungsaeusserung waere angebracht. Aber der Weg, alle Handlungen durch die Polizei zu kontrollieren, Gewalt gezielt gegen einzelne Gruppen und Personen, die man beobachtet und isoliert, anzuwenden und den anderen Menschen das Angebot zu machen kontrollierbar ohne Position zu sein und dafuer nicht mit hereingezogen zu werden ist meiner Meinung nach gefaehrlicher fuer die Freiheit der Meinungsaeusserung, als so laut KrachBumm zu machen. Sicher Sicher, ich weiß wie haesslich das aussieht und sich anfuehlt, aber nicht jeder Weg zu weniger sichtbarer Gewalt und mehr Ruhe muss gut sein und nicht jeder Vergleich mit dem ruhigeren Westeuropa muss fuer dieses ausgehen.

Zu den Demoteilnehmern selber, was kann ich da sagen? Es wurden Parolen fuer die 35 Stunden Woche, fuer mehr Sozialstaat und anderen Gewerkschaftskram gerufen. Das sah alles erst mal sehr links-buergerlich aus. Allerdings bin ich selber noch nicht richtig hinter die feine links-rechts Differenzierung hier durch gestiegen. Innerhalb dieser Arbeiterbewegung jedenfalls kann man einen starken Antiimperialismus - Antiamerikanismus und Antisemitismus beobachten. Die boesen westlichen Kapitalverstrickungen, die sehr viel auch in der EU verortet werden, werden fuer die turbokapitalistischen Zustaende hier in meist sehr plumper verschwoerungstheoretischer Weise verantwortlich gemacht. Das ist jedenfalls auch ziemlich haesslich, aber ich werde zu dem Punkt versuchen noch mehr Menschen in meinem Umfeld zu befragen und weiterschreiben, wenn ich ueber den ersten Eindruck raus bin.