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The jelli life

March 9, 2007

Youtube und der Rest

Filed under: gesehen

Seit 2 Tagen ist in der Tuerkei das Onlinevideoportal Youtube gesperrt. Der Grund ist so haesslich wie unglaubwuerdig. Irgendein Grieche soll auf Youtube Atatuerk als homosexuell “beschimpft” haben, und nun ist angeblich die ganze Nation beleidigt. Irgendein Ministerium hat die Youtube Seite gesetzlich gsperrt. Besonders viel Muehe haben sie sich nicht gegeben, der Eintrag im DNS wurde geaendert und Anfragen an die Original-IP von Youtube.com werden geblockt. sakızağacı hat schon einen ausfuehrlichen Text ueber die verschiedenen Moeglichkeiten trotzdem Youtube zu sehen geschrieben.
Die Diskussion hier ist aber nicht minder spannend. Vor zwei Tagen war irgendwann von der einen auf die andere Sekunde Youtube nicht mehr zu sehen und dafuer aber folgender Text.
Sowenig man vorher von den ganzen Vorgaengen mitbekommen hat, so schnell hat sich die Nachricht im Nachhinein rumgesprochen. Die Reaktionen sind unterschiedlich und gehen von “ich mag sowieso Youtube nicht” ueber den Aufruf freien Zugriff auf das Internet als Buergerrecht zu fordern bis hin zur Gleichsetzung der Tuerkei mit China und Iran.
Fuer letzteres ist das alles noch technisch zu dilettantisch, alle statischen Proxies sind noch zu erreichen und das Ansehen von Videos ist damit zwar langsam, steht aber bisher noch nicht unter Strafe. Die beiden ersten Standpunkte sind sehr aehnlich zur Diskussion in Deutschland. Nur dass hier wirklich alle Menschen, die ich bisher getroffen habe, eine Meinung dazu hatten und dass zum Beispiel meine sonst eher unpolitische “Kollegin” sich heute von mir die Benutzung von Proxies hat kurz erklaeren lassen. Andererseits hat sich bisher niemand ueber den Ausloeser der Diskussion aufgeregt. Die Bezeichnung von Atatuerk als homosexuell soll das Tuerkentum beleidigen, und das einzige was hier zur oeffentlichen Diskussion steht, ist die Konsequenz die daraus gezogen wird.
Die hier sehr verbreitete Homophobie und der Umgang in der Gesellschaft damit laesst sich daran nur erahnen. Aber um es nur mal schnell fuer das voreilige Publikum zu sagen: Es gibt hier sehr wohl eine nicht sehr kleine Gayszene. Die Probleme und Schwierigkeiten mit diesem Thema sind sicher andere als in Deutschland, aber in vielen Dingen sind die Menschen hier im privaten sehr viel toleranter als in Deutschland, nur eben nicht in der oeffentlichen politischen Diskussion.
Ich werde die Diskussion in den naechsten Tagen sicher weiterverfolgen, die Einschaetzungen ueber kommende Eriegnisse gehen von dem favorisierten “Das ist sicher nur eine kleine Drohgebaerde und geht bald vorbei” bis zu “Ab jetzt geht’s weiter abwaerts mit den Buergerrechten”.

Edit: Vor 10 Minuten hat Heise es verkuendet und seit 5 Minuten geht es wieder. Die Videos sollen inzwischen geloescht sein, was allen einen Gesicht wahrenden Rueckzug aus dem Schlamassel ermoeglicht.

March 4, 2007

Podcast

Filed under: Life+Style, gesehen

Lange ging ja das Geruecht um, aber nun ist er da: der neue Antifa Podcast Channel A. Im Moment quaelt er sich noch durch die langsame Leitung hier und ich bin schon ganz neugierig wie er so ist, aber die Themen klingen schon mal sehr spannend.
Also ich bin dabei und voller Vorschusslorbeeren. Hurra, hurra und in 20 Minuten ist er da!

February 28, 2007

Vorurteile

Filed under: gesehen

Es geht ja in Deutschland haeufig das Geruecht um, dass man in der Tuerkei an allen Ecken ueber’s Ohr gehauen wird, wenn man nicht aufpasst. Vielleicht ist auch was wahres dran. Das ein oder andere Mal hat mir schon jemand mal ein paar Kurus zu wenig zurueckgegeben. Vor ein paar Wochen war ich hier so krank, dass ich um einen Arzt nicht drumrum kam. Meine Krankenkasse behauptet ja dass sie die Rechnung bis zur Hoehe des deutschen Satzes uebernimmt. Deutsche Aerzte sind mindestens dreimal so teuer wie tuerkische. Also schickte ich meine Rechnung hin und Ueberraschung eins ist, dass sie mir 10 Euro Praxisgebuehr abgezogen haben, weil ich die ja in Deutschland haette zahlen muessen. Aber weiter noch: Das mich rettende Medikament hat nicht mal 3 Euro gekostet. Die Krankenkasse hat mir, weil ich es ja in Deutschland haette zahlen muessen, 5 Euro abgezogen. Und nicht etwa dann bei weniger als 3 halt gemacht, sondern den Rest dann von der Arztrechnung noch mit abgezogen, weil das waere ja in Deutschland teuerer gewesen. Wenn der Arzt jetzt zu billig ist, muss ich dann meiner Krankenkasse noch Geld ueberweisen? So bin ich hier jedenfalls noch nicht uebers Ohr gehauen worden!

Das zweite was mir so durch den Kopf geht, ist wie in Deutschland die Reaktion auf den Literaturnobelpreis von Orhan Pamuk aufgenommen wurde. Ok erst klagen sie ihn wegen Verunglimpfung des Tuerkentums an und moegen ihn nicht besonders und freuen sich dann aber alle: Wir, wir Tuerken, sind Literaturnobelpreistraeger.
Da habe ich mich zum ersten mal erinnert, dass es da ja einen nicht besonders beliebten Kardinal Ratzinger gab der uns zum Papst gemacht hat. Und nun hat uns ein eher mittelmaessiger Film, den vorher sicher nur Menschen, die hoffen dass man dem deutsche Kino durch unsinniges Loben Auftrieb geben kann, begeisternd fanden, einen Ruf ausgeloest: Wir haben einen Oskar.

Jeujeunene alles doch!

May 17, 2006

Ayaan Hirsi Ali

Ayaan Hirsi Ali wurde am 16. Mai aus den Niederlanden ausgebürgert. Die ganze Sache steht zwar im Moment noch zur Diskussion aber die Geschwingigkeit und die ganze Art und Weise, die man geradezu nur noch mit plump bezeichnen kann, mit der die Sache angegangen wurde, geben schon zu denken Sie plant nun, in die USA zu gehen, um dort für den neokonservativen Thinktank „American Enterprise Institute“ in Washington (D.C.) zu arbeiten. Die wichtigsten Punkte, die sie politisch geprägt haben, findet man unter dem oben verlinkten Wikipedia Artikel. Über die aktuellen Vorgänge berichten zur Zeit viele Medien, wie zum Beispiel die aktuelle Jungle World:

Guten Aufenthalt!
ich-ag der woche

Abschieben! Dass ausgerechnet ein ehemaliger Wegbegleiter Pim Fortuyns sie des Landes verweisen will, mag verwundern. Schließlich hat sich Ayaan Hirsi Ali ebenso wie Fortuyn immer besonders kritisch zum Kulturrelativismus gegenüber der islamischen Comunity geäußert. Dennoch steht die Abgeordnete der rechtsliberalen Partei wieder einmal in der Kritik. Eine Fernsehdokumentation hat die Sprache auf den gefälschten Asylantrag gebracht, mit dem sich die aus Somalia stammende Hirsi Ali im Jahr 1992 das Aufenthaltsrecht in den Niederlanden sicherte.

Doch sind die Vorwürfe längst bekannt, und die Schuld ist bereits seit dem Jahr 2003 eingestanden. Dass der Betrug plötzlich von rechtskonservativer Seite wieder vorgebracht und skandalisiert wird, hat wohl einen anderen Grund. Denn im Gegensatz zu den Konservativen lehnt die Islamkritikerin Hirsi Ali eine Beschränkung der Einwanderung in die Niederlande ab. Ganz im Gegenteil engagiert sie sich für die Rechte von Asylsuchenden und fordert, dass auch so genannte Wirtschaftsflüchtlinge aufgenommen werden. Dass sich ausgerechnet eine der schärfs­ten Kritikerinnen der niederländischen Inte­gra­tions­politik einer rassistischen Ausländer-Raus-Kampagne verweigert, dürfte dem rechten Lager unverschämt erscheinen. Deshalb richtet sich die Kampagne mit einem Mal auch gegen Hirsi Ali selbst.

Aber ihr steht noch mehr Ärger ins Haus. Die seit dem Mord an Theo van Gogh, für den sie das Drehbuch zum Film »Submission« schrieb, ständig unter Polizeischutz lebende Abgeordnete muss ihre Wohnung in Den Haag aufgeben. Das entschied ein Gericht. Der Grund hierfür ist: Die Nachbarn haben sich über die aufwändigen Sicherheitsvorkehrungen beschwert.

ivo bozic

Ich habe mir schon länger vorgenommen ihren Film Submission anzusehen. Leider habe ich ihn in voller Länge (11 Minuten) nur hier mit niederländischen Untertiteln gefunden (Falls jemand ihn ohne Untertitel findet, bitte melden, ich bin leider zu faul, um weiter zu suchen aber irgendwie stört das schon.). Mir fehlt leider das Wissen über den Islam, um eine Provokation darin zu sehen. Ich finde ihn eigentlich gut. Er ist sehr intelligent gemacht (auch der Stil gefällt mir sehr) und spricht keine direkte Kritik, sondern einen Widerspruch, der diskutiert werden muß, aus. Es gibt keine Lösung aber auch keine Drohung, nur ein Problem, das nicht von der Hand zu weisen ist.
Ayaan Hirsi Ali war am 31. Mai 2005 bei Sandra Maischberger zu Gast. Mit ihr diskutierten Heiner Geißler (ehemaliger CDU- Generalsekretär), Heinz Buschkowsy (SPD/Berlin) und Irmgard Prim, die vor 25 Jahren zum Islam konvertiert ist. Die Diskussion ist teilweise schon ein bisschen strange (Intergrationspolitik ist ein schwieriges Feld…). Man hat ein wenig das Gefühl, als würden die Argumente von Ayaan Hirsi Ali vor die Realität geworfen aber ich finde es schon interessant zu sehen, welchen Weg diese Gedanken gehen können.

Auf jeden Fall bin ich gespannt auf die Fortsetzung Submission (Part II) (an der sie nach eigener Aussage arbeitet) und die weitere Diskussion. Sie prägt auf eine sehr unaufgeregte und sachliche Art die Diskussion über den Islam. Sie ist nicht so plump antiislamistisch, nicht rassistisch und sehr klar in ihren Aussagen. Vielleicht ist sie deswegen auch so gefählich/gefährdet?

February 15, 2006

Nachtrag

Filed under: gesehen

zum 13. Februar in Dresden, dem ich diesmal ja nur ansatzweise , wie immer an der grauenvollen Bloedsinnigkeit verzweifelnd, beigewohnt habe:

Blink

Eigentlich muß man da gar nichts mehr sagen, ausser: Ja die sind wirklich alle so, der Stumph ist keine Ausnahme.

January 29, 2006

Das ist aber eine lange Geschichte.

Filed under: Hundeleben, gesehen

Habe ich heute oefter gesagt, und allgemein auf einen noch zu findenden Eintrag in meinem Blog verwiesen. Da ist sie also, die Geschichte wie der Hund diesmal weg- und wieder herkam. Am Freitag Mittag ist sie, als kurz die Tuer offen stand, zu einer ihrer ueblichen Asseltouren losgezogen. Normalerweiso geht diese ueber 3 Katzenfuttestellen zu einer sehr beliebten Muelltonne, endet hier vorm Ofen und dauert nicht laenger als eine halbe Stunde. Freitag kam sie auch nachts nicht nach Hause. Sie war keine 50 Meter gekommen, da traf sie auf (nennen wir sie an dieser Stelle einmal) Mandy. Mandy- nett, klein, 16 wollte schon immer einen Hund haben, wie sie mir spaeter erzaehlte. Die Sue lief ihr bis in die Wohnung der Elten nach, legt sich dort auf das Sofa und liess sich fuettern. Die dort ausserdem lebende Katze hat sie wohl nur angetarrt, was Mandy dazu brachte zu vermuten, der Hund haette Angst vor Katzen. Ich wollte ihr diesen Glauben lassen, aber die Vorstellung dieser inzwischen 10 jaehrige Hund waere fast noch ein Welpe musste ich dann doch korrigieren. An dieser Stelle noch mal Dank an alle fuers weichkraulen.
Am Samstag Abend habe ich die Beiden dann an einer Haltestelle getroffen. Eigentlich wollte ich den Hund schnell nach Hause schaffen und dann schnell puenktlich im Kino sein, aber dann habe ich doch noch eine ganze Weile mit der voellig traurigen Mandy geredet und es am Ende nicht uebers Herz bringen koennen ihr den Hund wegzunehmen. Sie hatte auch schon eine Leine, Futter und Spielzeug gekauft und ich wollte ja, wie vorhin gesagt, auch ins Kino. Also habe ich ihr angeboten den Wuff noch bis zum Sonntag Morgen zu behalten. Allerdings habe ich dann doch auch schlecht geschlafen, weil ich mir dann spaeter meines Mutes doch nicht mehr so sicher war. Aber Mandy stand heute puenktlich vor der Tuer und diesmal habe ich den Hund einfach mitgenommen und ihr angeboten, dass sie sie jederzeit mal fuer eine Runde abholen kann.

Ach ja ich war im Kino, habe Muenchen gesehen und muss sagen, dass ich ihn sehr sehenswert fand. Ich habe irgendwann mit meiner Mitbewohnerin Jo eine Dokumentation ueber das Olympia-Attentat gesehen und konnte mich deshalb sehr gut in die Handlung hineinfinden. Ansonsten kann ich nur empfehlen vorher ein bisschen was ueber die damaligen Ereignisse zu lesen (zum Beispiel hier), um der Handlung gut folgen zu koennen. Der Film gibt keine unerwarteten Antworten oder neue Sichtweisen, aber er macht ein paar sehr klare politische Statements und gibt auf jeden Fall Anlass laenger ueber das Thema nachzudenken. Vielleicht kann man sagen, dass der Film die Komplexitaet des Problems gut beschreibt ohne allzu unhoeflich zu einer beteilligten Partei zu sein, aber auch ohne eine sicher falsche HarmonieKiste da mit reinzubringen. Ich bin mir aber durchaus nicht abschliessend sicher, also falls jemand das ganz anders sieht und diskuetieren moecht.. immer her damit.

January 14, 2006

Seit langem

Filed under: Life+Style, gesehen

habe ich mal wieder einen Film gesehen, von dem ich euch erzaehlen moechte. Es war Die Denunziantin.
Der Film ist sehr langsam, die Figuren, besonders Helene Schwaerzel sind sehr stark geschminkt und wirken sehr statisch und leblos. Irgendwie schafft es der Film wirklich ein grauenvoll biederes, oedes Dasein bildhaft zu machen. Einerseits haelt sich ‘Die Denunziantin’ mit deutlichen Statements sehr zurueck und konzentriert sich auf das Thema der Denunziation, er spricht nicht von der Vernichtung der Juden und auch der Krieg wird nur am Rande erwaehnt. Andererseits erhebt er auch keinen Anspruch auf eine vollstaendige Geschichte. Goerdeler selber wird ausgesprochen heldenhaft dargestellt, aber auch an diesen Stellen weiss man nicht immer, ob man die Welt gerade durch die Augen von Helene Schaerzel gezeigt bekommt, oder ob einem da eine politische Bewertung angedreht werden soll. Ich wuerde nicht unbedingt sagen, daß der Film gut ist, aber er geht nicht einfach vorbei und ist dann weg. Es gibt sogar eine Richtung die sich Denunziationsforschung nennt, und auch eine feministische Kritik, die sich mit dem typisch weiblichen Bild der Denunziantin auseienandersetzt, obwohl anscheinend keine Statistik bisher dazu Anhalt gegeben hat. Es scheint sich da wohl eher um einen allgemein menschlichen Zug zu handeln. Dazu gibt es verschiedene Papers, das ausfuehrlichste zitiert leider Joerg Friedrich zwar als negative aber dennoch ernsthafte historische Quelle, deswegen kann ich mich da nicht ueberwinden den link zu posten. So gut war sie auch nicht, aber wer sich dafuer interessiert sollte mit Google sehr schnell dort landen.